Kinderbücher für die Kleinsten. Unsere persönlichen Erfahrungen und Lieblingstitel. Teil 1

Im Vorstellungsgespräch einer Buchhandlung stellte man mir vor einigen Monaten die klassische Frage: „Und, was haben Sie denn in letzter Zeit so gelesen?“ Gerade als ich ernsthaft darüber nachdachte etwas zerknirscht mit der bitteren Wahrheit herauszurücken, fiel mir ein, dass ich in den vergangenen drei Jahren sehr wohl Bücher in die Hand genommen hatte. Und sogar nicht wenige…

Die Suche nach wirklich guten und passenden Kinderbüchern für die ersten drei Lebensjahre meiner Kleinen gestaltete sich dabei schwieriger als gedacht. Jede Phase hatte so ihre ganz eigenen Tücken. Entscheidend war auch, dass der eigene Geschmack längst nicht in allen Fällen den Vorlieben des Kindes entsprach.

Als Erstes musste ich feststellen, dass es wenig Sinn macht, für ein Kind unter einem Jahr einen ganzen Sack Babybücher einzukaufen (auch wenn es mir schwerfiel, meine Ungeduld im Zaum zu halten 😉). Zunächst dienten sie nämlich der reinen Materialerkundung. *mjam* Der Sinn von Fühlbüchern hat sich mir auch nie so recht erschlossen – da kann man selbst kreativ ohne Ende werden, um das eigene Kind mit den verschiedensten Materialien in Kontakt zu bringen. Dasselbe gilt für diese kleinen, ganz einfachen Bilderbücher mit nur einer Illustration pro Seite. Sobald die Kleine krabbeln konnte, fand sie es sowieso spannender, die Regale mit den Erwachsenen-Büchern auszuräumen. Dabei hat sie dann auch tatsächlich angefangen, neugierig die Nase zwischen die Seiten zu schieben…und natürlich das Papier anzunagen. Mit gut neun Monaten konnte sie dann langsam etwas mit ihren eigenen Büchern anfangen und eine Liebe war geboren, die zumindest bis heute andauert.

Endlich war also der Zeitpunkt da – das Kind interessierte sich für „richtige“ Bücher! Die einzukaufen bedeutete eine kleine Herausforderung: Nicht zu wenige und zu einfache Illustrationen sollten es sein – wird schnell uninteressant. Aber zu komplex bedeutet wiederum Überforderung. Dann die Texte, am besten nur wirklich kurze, einfache Geschichten, nicht zu viel Text auf einer Seite. Sooo viel gibt der konventionelle Markt da gar nicht her, zumal das Meiste immer um die gleichen Themen kreist. Hinzu kommt, dass die Qualität oft bescheiden ist: Hässliche oder viel zu abstrakte Illustrationen, Bücher voll mit Rollenklischees, und, was ich ganz schlimm finde, Bilder, die in keinster Weise zu den dazugehörigen Texten passen…Dabei achten gerade die Kleinen ganz besonders auf die Bebilderung, stellen beim Vorlesen den Bezug her und sind auf die Bilder angewiesen, wenn sie sich alleine mit dem Buch beschäftigen und ihre Fantasie spielen lassen…

Hier also nun ein Blick auf unsere besten Erfahrungen, gestaffelt nach Altersempfehlung.

 

1. Reihe „Mein erstes Buch“ (ars edition)

Das waren ihre ersten absoluten Lieblingsbücher. Sie besitzen ein für dieses Alter äußerst handliches Format, die Seiten wirken aufgeräumt und nicht überladen und der robuste Karton überstand den immer noch vorhandenen Drang zum Knabbern und Pliesern ganz gut. Die Illustrationen fand ich einfach nur knuffig. Der Clou sind die witzigen Schiebeelemente, mit denen man prima spielen kann („Und jetzt springt der hungrige Löwe aus dem Busch…rooooaaarrrr…“). Die Themenvielfalt der Reihe ist angenehm groß (Tiere, Jahreszeiten, Wald, Bauernhof, Farben, Körper, Musik und und und). Die Kleine hatte wirklich lange ihre Freude daran und war weder über- noch unterfordert.

Empfehlung: Ab neun Monaten

 

2. Reihe „Hör mal“ (Carlsen)

Der Markt scheint ja förmlich überschwemmt von Soundbüchern. Einige davon sind wirklich hässlich illustriert und mit sehr nervigen, aufdringlichen Geräuschen ausgestattet (tatütataaa…). Außerdem haben wohl alle das Problem, dass sie schnell kaputt gehen. Diese Reihe hat bei uns vergleichsweise gut und lange durchgehalten, die Geräusche sind angenehm leise eingestellt, die Illustrationen wirklich schön und bei beidem wird viel Wert auf Realismus gelegt. Besonders faszinierend fand unsere Kleine zum Beispiel den Band „Mein Körper“, wo es unter anderem ums Schnarchen, Pupsen und Niesen ging 😉 Es gibt mittlerweile unzählige Bände zu allen möglichen Themenbereichen. Das Bilderbeispiel stammt aus dem wunderbaren Band „In der Nacht“. Da es nicht ganz leicht ist, das Geräusch auszulösen – man muss nämlich schon sehr punktgenau und fest drücken – muss man allerdings sehen, ab welchem Alter das Kind damit zurechtkommt. Der Verlag meint dazu: „Kinder ab 2 Jahren können die Bücher problemlos alleine bedienen, bei jüngeren Kindern sollten die Eltern die Soundbuttons drücken, da die Feinmotorik und Kraft der kleinen Finger noch nicht ausreicht.“ (https://www.carlsen.de/kinderbuecher/pappenbuch/hoer-mal-unsere-musik/20100)

Empfehlung: Ab einem bis anderthalb Jahren

 

3. Reihe „Erstes Lernen“ (Dorling Kindersley)

Im Grunde handelt es sich um ein typisches Wörterlexikon für kleine Kinder mit jeweils einem Themenfeld pro Doppelseite. Das Besondere hier: Statt Zeichnungen gibt es hochwertige Fotos von den Begriffen. Realistischer geht es nicht. Das ist einfach klasse und hat unsere Kleine mehr fasziniert als gezeichnete Bilder. Tiere sind natürlich immer ein Highlight, aber es gibt ja auch noch so viel mehr. Zum Beispiel Anziehsachen, Spielsachen oder Dinge aus dem Haushalt. Optisch besonders gelungen fand ich den Band über die Farben, in der jede Doppelseite einer bestimmten Farbe gewidmet ist. Auch Formen oder die Zahlen finden sich hier wieder. Bei uns wurde irgendwann tatsächlich mit Hingabe gelauscht, wie Mama Frösche, Tomaten und Bananen gezählt hat – bis eines Tages die Bedeutung langsam im Kopf angekommen ist. Daumen hoch!

Empfehlung: Ab anderthalb Jahren

 

4. Mein erstes großes KITA-Buch (ministeps-Bibliothek, Ravensburger)

Dein Kind kommt in die Kita? Dann könnte es sein, dass es sich hier bald in vielem wiederfindet. Der typische Kitaalltag vom Morgenkreis über den Mittagsschlaf, einen Ausflug in den Wald, eine Geburtstagsfeier bis hin zum Abholen wird auf zahlreichen Doppelseiten sehr anschaulich dargestellt, ergänzt durch kleinen Szenerien und Geschichten rund um die Mädchen und Jungen aus der fiktiven Gruppe. Der intensive Bezug zur Lebenswirklichkeit fasziniert meine Tochter spürbar bis heute. Sogar einzelne Charaktere hat sie ins Herz geschlossen, findet sie auf den verschiedenen Seiten unter den anderen Kindern wieder und spricht über sie. Was will man mehr erwarten…

Empfehlung: Ab anderthalb bis zwei Jahren.

 

5. Reihe „Sachen suchen“ (Ravensburger)

Wimmelbücher sind eine tolle Standardempfehlung im Buchhandel für Kinder ab circa 2 Jahren. Sie können immer wieder neu entdeckt werden, regen die Fantasie an, der Wortschatz wird ganz nebenbei trainiert, die Kinder können hunderte von Dingen benennen, nach Aufforderung suchen, ganz viele Fragen dazu stellen und man kann sogar kreativ werden und zu den Miniaturszenen eigene kleine Geschichten erschaffen. Also ein Haufen guter Gründe, warum der Markt an dieser Stelle wahnsinnig viel Material hervorgebracht hat.

Diese spezielle Reihe hat sich bei uns allerdings besonders bewährt. Zum einen ist sie recht schön illustriert und bis ins kleinste Bilddetail durchdacht, stimmig und sinnig. Die Auswahl der Schauplätze ist perfekt und man vermisst nichts. Ob es nun in einem Band die Jahreszeiten sind, die verschiedenen Räumlichkeiten im Kindergarten oder einfach eine Zusammenstellung von Plätzen aus dem Kinderalltag (Zoo, Supermarkt, Park, Frühstückstisch…). Zum anderen spielt auch das Format eine ganz entscheidende Rolle. Es sollte wirklich mehr Kinderbücher in DIN A5 geben denn der Standard DIN A4 ist tatsächlich oft zu schwer und/oder unhandlich für die Kleinen. So passt es einfach perfekt in die Tasche und kann wunderbar auch von schmalen Kinderhänden gehalten werden.

Empfehlung: Ab anderthalb bis zwei Jahren

Das war es erstmal für heute. Teil zwei folgt alsbald möglich… Übrigens bin ich sehr gespannt, ob jemand von euch auch noch gute Empfehlungen auf Lager hat?