La coeur d’une autre, Tatiana de Rosnay

Es ist schon länger her, dass ich es ausgelesen habe, von daher wird die Rezension nicht ganz so detailliert. Die Lektüre empfand ich insgesamt als äußerst zäh, und das lag nicht an der französischen Sprache…

Dieser 1998 veröffentlichte Roman von Tatiana de Rosnay („Sarahs Schlüssel“) ist offenbar nie ins Deutsche übersetzt worden. Wer es auf Französisch probieren möchte – er lässt sich gut und flüssig lesen, der Stil ist zwar durchaus literarisch, jedoch nicht übermäßig komplex.

Darum geht’s:

Bruce Boutard kann man wohl guten Gewissens als Misanthropen bezeichnen. Seine Frau hat ihn aufgrund wiederholter Affären verlassen, viele echte Freunde hat er nicht und er verbringt sein Leben eher zurückgezogen, ohne echte Ambitionen oder Leidenschaften. Ständig ist er schlecht gelaunt, achtet weder auf sein Auftreten, noch auf seine Gesundheit. So ziemlich alles ist ihm egal. Bis er eines Tages eine schockierende Diagnose erhält: Sein Herz droht in naher Zukunft zu versagen! Quasi in letzter Minute rettet eine Transplantation sein Leben, doch danach ist Bruce nicht mehr derselbe Mensch. Und das reicht viele tiefer, als der Schock darüber, dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein…

Fabelhaftes:

Wie Bruce nach seinem einschneidenden Erlebnis die Dinge mit anderen Augen sieht und zu einem Leben übergeht, das trotz gesundheitlicher Einschränkungen wesentlich lebenswerter als sein bisheriges Dasein erscheint, ist stilistisch sehr schön herausgearbeitet; so beispielsweise die Schilderungen der sonnigen Toskana mit den lebensfrohen Menschen, die einen großen Kontrast zum grauen Paris und seiner farblosen Wohnung bieten. Auch in Bruce selbst gewinnt die Wärme plötzlich Oberhand, er beginnt, sich für Kunst zu interessieren, entwickelt einen Sinn für Ästhetik und das Schöne an sich. Die Außenwelt nimmt er nun mit neuer Wertschätzung wahr und er empfindet sogar, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, echte Liebe zu einer anderen Frau.

Weniger Fabelhaftes:

Bruces‘ radikaler Wandlung liegt (leider) nicht wirklich eine Läuterung seines eigenen Charakters zugrunde. Der eigentliche Auslöser hat etwas mystisches und wird leider viel zu schnell offensichtlich. Bereits die Überschrift (la coeur d’une autre, zu deutsch: das Herz einer anderen) und der Klappentext verraten hier, dass Bruce das Herz einer Frau implantiert bekommen hat. Wie ein Getriebener stellt Bruce immer weitere Nachforschungen zu seiner Spenderin an, deren Charakter und Leidenschaften sich auf nahezu unheimliche Weise mit den neuen Zügen an Bruce gleichen. Getreu dem Motto „Man sollte nicht zu viel wissen“ bringt er dadurch erneut sein eigenes Leben ins Wanken.

Eigentlich ein spannendes Ausgangsszenario, dem ein höchst interessanter Gedanke zugrunde liegt: Bin ich noch dieselbe Person, sobald ich ein fremdes Herz in der Brust trage?

Diese Frage wird hier jedoch, wie ich finde, viel zu plump und undifferenziert beantwortet. Bruce mutiert im Grunde zum Alter Ego der Spenderin. Das wirkt dann doch merkwürdig und übertrieben. Zudem wird die Spannung künstlich hochgehalten mit der Andeutung, dass Bruces‘ Nachforschungen über die Person der Spenderin große Geheimnisse enthüllen werden. Am Ende hat man sich zusammen mit Bruce auf eine weite Reise gemacht, sich durch das gesamte Buch gequält und stellt sich die Frage: Und das war es jetzt tatsächlich?

Summa Summarum:

Ich bin gespalten: Ein netter Roman, was für’s Herz ;-), für alle Kunstliebhaber und Toskana-Freunde. Doch Tiefgang, Logik und echte Begeisterung fehlten mir.

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Verlag: Le livre de poche * TB * August 2011 * 280 Seiten * 978-2-25312772-7

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